Verkehrte Welt in der Vorfastenzeit

Im Fasching herrscht verkehrte Welt: Narren ziehen in die Rathäuser, Bürgermeister überreichen die Schatulle der Stadt, ehrbare Herren prunken in ihren Faschingsgewändern, man tanzt und singt und lacht und lässt die Welt kopfstehen.

Vor der Kirchentür ist Fasching; lustig und bunt und ausgelassen sind die nächsten zwei Wochen. In der Kirche beginnt schon die Vorfastenzeit: die zweieinhalb Wochen vor dem Aschermittwoch. Das Halleluja schweigt ab jetzt bis Ostern. Schon geht der Blick nach vorne, zur Passion, zum Weg Christi ans Kreuz.

Auch in der Kirche herrscht verkehrte Welt in der Vorfastenzeit. Da hören wir von der Gegenwelt Gottes, da werden die Werte unserer Welt auf den Kopf gestellt – oder ja eigentlich: vom Kopf auf die Füße. Gott sagt nicht: »Leistung muss sich lohnen«; er fragt: Was brauchst Du an Leib und Seele? Nicht Lohn, sondern Gnade – was manche ärgert, ist Lachen und Freude für die Kinder Gottes. Das ist der Fasching Gottes, da hält er die Herren dieser Welt zum Narren und richtet seine Gerechtigkeit auf.

Gedanken zur Jahreslosung

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!
(2. Korintherbrief 12,9)

Wer hat sie nicht: die Idealvorstellung – auch von einer christlichen Gemeinde. Immer wieder wird sie enttäuscht. Und das ist gut so. Denn es geht nicht um Verwirklichung von Idealen, sondern um ein Bleiben bei ihm: Jesus Christus. Unserem Herrn und Heiland. Ganz praktisch heißt das: auf ihn hören. So wie es seine Jünger taten vor 2000 Jahren. Indem wir heute auf die Überlieferung achten, wie sie uns in den Schriften des Alten und Neuen Testamentes anvertraut ist.

Wie der Apostel Paulus werden auch wir Erfahrungen machen: mit Gottes Kraft, die in den Schwachen mächtig ist. Oder wörtlich aus dem griechischen Urtext übersetzt: die in Schwachheit zur Vollendung kommt.

Keiner weiß, was das Kalenderjahr 2012 bringen wird. Aber Gott kommt zum Ziel mit seiner Kraft, die wirkt: in Ängsten, Nöten, Misshandlungen, Verfolgungen um Jesu willen.

Denn: meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. So die Jahreslosung für das Jahr 2012.

Vorfreude

Adventszeit ist Vorbereitungszeit. So geht es jedes Jahr, man schiebt sich durchs Gedränge in irgendeinem Kaufhaus, aus den Lautsprechern trieft „Stille Nacht“; dort hinten ist das CD-Regal, noch schnell etwas aussuchen für den Cousin, von dem ich gar nicht so genau weiß, was er sich eigentlich wünscht. War ich schon beim Metzger, das Fleisch bestellen? Das Wohnzimmer müssen wir auch noch putzen …

Adventszeit ist eine Zeit der Vorfreude – nicht nur, dass es viel zum Auspacken gibt, nicht nur auf den Moment, wo alles ausgewickelt ist, und ich müde in die Kerzen schaue und erst einmal durchatme. Eine ganz andere Vorfreude durchzieht die Adventszeit, Vorfreude auf die alten Worte: „Euch ist heute der Heiland geboren.“

Gibt es das: Vorfreude auf etwas, was längst passiert ist? Das ist die Freude, dass Gott immer wieder zu den Menschen kommt. Dass er immer wieder gerade zu denen kommt, die ihn besonders brauchen: zu denen, die nur wenig haben, wo ein einfacher Stall reichen muss. Zu den Hirten, die eine harte Arbeit haben draußen auf dem Feld. Zu denen, die der Stress plagt – zu uns allen, die wir diese Sehnsucht im Herzen haben: dass Gott auch zu uns kommt, als Kind in der Krippe und immer wieder neu.

Schöne Adventstage wünschen Ihnen Ihr Pfarrer Florian Herrmann und das Team der Christuskirche.